OECD fordert Rankings für Bildungsanbieter

Der Übergang von der Schule ins Arbeitsleben verläuft in Deutschland bemerkenswert reibungslos. Die geringe Jugendarbeitslosigkeit nach einer dualen Ausbildung und die Möglichkeiten einer fortgeschrittenen beruflichen Ausbildung (Weiterbildung) – nämlich mit Fachschulen und Fortbildungsgängen wie etwa zum Meister – findet das Gefallen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der jüngsten Länderanalyse unter dem Titel »Postsekundäre Berufsbildung in Deutschland«.

Zu wenig Qualitätskontrolle der Weiterbildung

Die Studie lobt die Passgenauigkeit der Bildungswege mit dem Arbeitsmarkt und die Vielfältigkeit der Wege, listet aber auch Aspekte auf, die die Effizienz der beruflichen Aufstiegsweiterbildung in Deutschland verbessern könnten: So sind Informationen über die Qualität und die Kosten von Vorbereitungskursen für Meister- , Techniker- und andere Fortbildungsprüfungen häufig nur lokal verfügbar. Zudem erfolgt lediglich eine sehr begrenzte externe Qualitätskontrolle der Angebote. Beides macht es Weiterbildungskandidaten schwer, einen geeigneten Kurs zu finden.

Duale Ausbildung in Deutschland.

fotolia.com/Monkey BusinessAufstiegsfortbildung in Deutschland. Foto: Robert Kneschke

Die Autoren der Studie plädieren daher dafür, eine bessere Datenbasis zu schaffen und diese in einem standardisierten und zugänglichen Format zu veröffentlichen. Anhand solcher Daten, die ähnlich den Schulranglisten oder den Universitätsrankings im Internet abrufbar sein sollten, könnten Fortbildungskandidaten schlechtere Kurse vermeiden. Das wiederum würde die Motivation der Anbieter erhöhen, die Kursqualität zu verbessern.

Rahmenordnung für Prüfungen gefordert

Auch das Niveau der Prüfungen variiert der Studie zufolge innerhalb Deutschlands stark. Klare Standards sind für Fortbildungsordnungen von Industrie- und Handwerkskammern nicht vorhanden. Da Unterschiede beim Schwierigkeitsgrad der Prüfungen den Wettbewerb verzerren können, sprechen sich die Autoren dafür aus, eine Rahmenordnung für Prüfungen zu schaffen. Transparente Standards würden die Prüfungsvorbereitung erleichtern und den Wert solcher Zertifikate für die Arbeitgeber erhöhen.

Die Studie kommt insgesamt zu dem Ergebnis, dass die Arbeitslosenquoten von Fachschulabsolventen, Meistern oder Technikern in Deutschland zu den niedrigsten im OECD-Raum gehören. Menschen mit diesen international dem Tertiärbereich B zugerechneten Kompetenzen sind hierzulande besonders gefragt.

Ein Grund für die geringe Arbeitslosigkeit dürfte sein, dass Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen eng in das System postsekundärer Berufsbildung eingebunden sind. Diese Zusammenarbeit zwischen Politik und Sozialpartnern stellt sicher, dass die Inhalte der Ausbildungen bedarfsgerecht sind und dass Änderungen am Arbeitsmarkt zügig von den Ausbildungseinrichtungen berücksichtigt werden. Und sie kommt den Absolventen fortgeschrittener Berufsbildung unmittelbar zugute: So verbesserten zum Beispiel zwei Drittel aller erfolgreichen Teilnehmer einer Aufstiegsbildung wie etwa Fach- oder Industriemeister ihr Gehalt. Mehr Verantwortung oder eine formale Beförderung vermeldeten sogar drei von vier Teilnehmern solcher Fortbildungen.

Transparenz bei der Übertragung von Leistungspunkten notwendig

In Deutschland haben nur Personen mit einem Universitäts- oder Fachhochschulabschluss noch bessere Verdienstmöglichkeiten und Arbeitsmarktchancen. Deshalb begrüßen es die Autoren der Studie, dass der Übergang von der beruflichen in die akademische Bildung seit 2009 durch Reformen erleichtert wurde. Allerdings stellen sie fest, dass bisher nur wenige Studenten diese neuen Zugänge tatsächlich nutzen. Sie empfehlen daher, das System noch durchlässiger zu gestalten, indem bereits erbrachte Lernleistungen verbindlich anerkannt werden. Zwar können sich Studenten in Deutschland im Prinzip schon heute bis zur Hälfte ihres Studiums über anderweitig erbrachte Leistungen anerkennen lassen, die Entscheidung darüber fällt aber jede Hochschule individuell.

Eine andere Anregung betrifft die Praxiserfahrung und Kompetenz der Lehrkräfte an Fachschulen. Diese sind in aller Regel verbeamtet und nach ihrem Studium und entsprechender Berufserfahrung Vollzeit an der Fachschule tätig. Der rasche technologische Fortschritt und die entsprechenden Veränderungen am Arbeitsmarkt machen es aber nötig, dass Ausbilder ihre Qualifikationen regelmäßig auf den neusten Stand bringen, was am besten dadurch gewährleistet wird, dass sie ergänzend zu ihrer Lehrtätigkeit in regelmäßigen Abständen Praxisphasen in der Industrie absolvieren. Bisher ist dieses Modell allerdings eher unüblich. Fachschulen sollten daher die Möglichkeit erhalten, mehr Teilzeitkräfte einzustellen, die neben ihrer Lehrtätigkeit auch in Unternehmen arbeiten. Das würde den Fachschulen nicht nur einen besseren Wissenstransfer aus der betrieblichen Praxis garantieren, sondern sie zudem in die Lage versetzen, ihr Angebot flexibel an den Arbeitsmarkt und die Nachfrage durch ihre Schüler anzupassen.

Genauso wichtig wie für Lehrer ist die praktische Erfahrung für die Schüler von Fachschulen. In jüngster Zeit haben immer weniger Fachschüler berufliche Vorerfahrungen, da viele von ihnen direkt nach dem Abitur mit ihrer Ausbildung starten. Vor dem Hintergrund, dass die Berufserfahrung der Studienanfänger an den Fachschulen deutlich abgenommen hat, ist es bedauerlich, dass praktischen Elementen in Fachschulen nur vergleichsweise wenig Platz eingeräumt wird. Obligatorisch sind bisher nur die praxisbezogenen Projektarbeiten im letzten Semester, aber selbst diese werden häufig nicht direkt im Unternehmen absolviert. Um ihrer zentralen Aufgabe besser nachzukommen und umfassende berufliche Kompetenzen, einschließlich sogenannter Soft Skills, zu vermitteln, sollten Fachschulen praktische und betriebliche Elemente verbindlich in ihre Lehrpläne aufnehmen.